Apple Watch Series 12 und Ultra 4: Reparierbarkeit bleibt ein Problem
Die Apple Watch Series 12 und die Apple Watch Ultra 4 sind bei Reparaturen weiterhin problematisch. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Reparaturspezialisten von iFixit, die beide Smartwatches vollständig zerlegt haben. Zwar bringt das Standardmodell kleinere Verbesserungen mit, grundlegende Probleme bleiben jedoch bestehen. Beide Uhren erhalten deshalb lediglich vier von zehn möglichen Punkten für ihre Reparierbarkeit.
- Apple Watch Series 12 und Ultra 4 erhalten jeweils vier von zehn Punkten bei iFixit
- Die Series 12 bietet eine neue Klebelasche für den Akku und einfachere Steckverbindungen
- Bei beiden Modellen muss für einen Akkutausch das Display entfernt werden
- Die Google Pixel Watch 5 erreicht im Vergleich neun von zehn Punkten
- iFixit wirft Apple Verstöße gegen Reparaturgesetze in zehn US-Bundesstaaten vor
Apple Watch Series 12: Kleine Verbesserung beim Akkutausch
Bei der Apple Watch Series 12 hat Apple zumindest einige Änderungen vorgenommen, die Reparaturen erleichtern. Dazu gehört eine neue Klebelasche am Akku. Mit ihr lässt sich die Batterie nach dem Öffnen des Gehäuses aus ihrer Verklebung lösen, ohne sie wie bei früheren Modellen heraushebeln zu müssen.
Außerdem hat Apple die Verbindung zwischen Display und Hauptplatine überarbeitet. Der bisher verwendete ZIF-Steckverbinder wurde durch eine einfachere Steckverbindung ersetzt, die mit einer Halterung gesichert ist.
ZIF steht für „Zero Insertion Force“. Dabei handelt es sich um eine Steckverbindung, bei der sich ein Flachbandkabel nahezu ohne Kraftaufwand einsetzen lässt. Häufig wird das Kabel anschließend über einen kleinen Verriegelungsmechanismus fixiert. Solche Verbindungen sparen Platz, können bei Reparaturen aber empfindlich und umständlich zu handhaben sein.
Allerdings bleibt der Zugang zu den Komponenten kompliziert. Wer den Akku austauschen möchte, muss zunächst das verklebte Display entfernen. Dabei besteht die Gefahr, das empfindliche Displaykabel zu beschädigen.
Auch beim Austausch des Bildschirms gibt es einen Nachteil: Bei der Series 12 muss dafür zunächst der Akku entfernt werden.
Die Verbesserungen reichen iFixit dennoch aus, um die Reparierbarkeit mit vier von zehn Punkten zu bewerten. Das ist ein Punkt mehr als beim zuletzt bewerteten Standardmodell der Apple Watch.
Apple Watch Ultra 4: Kaum Fortschritte bei Reparaturen
Noch weniger hat sich bei der Apple Watch Ultra 4 verändert. Laut iFixit entspricht der grundsätzliche Aufbau weitgehend dem der Vorgängermodelle.
Um an den Akku zu gelangen, muss ebenfalls das Display entfernt werden. Zwischen Bildschirm und Gehäuse befindet sich eine starke Verklebung, die unter anderem dem Schutz vor Wasser dient.
Vor dem Öffnen muss die Uhr deshalb erhitzt werden, damit sich der Klebstoff lösen lässt. Anschließend wird das Display vorsichtig angehoben. Dabei können die darunterliegenden Kabel leicht beschädigt werden.
Die vier Schrauben auf der Unterseite bieten keinen alternativen Zugang zum Akku. Sie führen lediglich zur Sensoreinheit. Werden sie entfernt, kann außerdem die Wasserabdichtung beeinträchtigt werden.
Entsprechend erhält auch die Apple Watch Ultra 4 vier von zehn Punkten. Dieselbe Bewertung vergab iFixit bereits für die vorherigen drei Ultra-Generationen.
Größere Akkus in beiden Apple Watches
Bei der Demontage hat iFixit auch die Akkukapazitäten der neuen Modelle ermittelt.
Die Apple Watch Ultra 4 besitzt einen Akku mit 2,444 Wh. Im Vorgängermodell Ultra 3 waren es noch 2,313 Wh. Das entspricht einer Steigerung von rund 5,7 Prozent.
Auch die 46-mm-Version der Apple Watch Series 12 hat einen etwas größeren Akku erhalten. Dessen Kapazität steigt von 1,403 Wh bei der Series 11 auf 1,461 Wh. Das entspricht einem Zuwachs von rund 4,1 Prozent.
Aus der höheren Kapazität allein lässt sich allerdings nicht ableiten, wie stark sich die tatsächliche Akkulaufzeit verändert. Dafür spielen unter anderem die Leistungsaufnahme der Komponenten und die Software eine Rolle.
Google Pixel Watch 5 schneidet deutlich besser ab
Dass Smartwatches nicht zwangsläufig schwer zu reparieren sein müssen, zeigt laut iFixit die Google Pixel Watch 5.
Sie erhielt bei der Bewertung neun von zehn möglichen Punkten. Der Unterschied liegt vor allem im Aufbau des Gehäuses.
Während bei den Apple Watches zunächst ein verklebtes Display gelöst werden muss, setzt Google auf Schrauben und eine Dichtung. Dadurch lässt sich der Bildschirm mit deutlich geringerem Aufwand entfernen. Auch der Akku ist nach dem Lösen weiterer Schrauben zugänglich.
Für iFixit zeigt dieser Vergleich, dass sich ein kompaktes, mit Gesundheitssensoren ausgestattetes Wearable grundsätzlich reparaturfreundlicher konstruieren lässt.
iFixit wirft Apple Verstöße gegen Reparaturgesetze vor
Neben dem technischen Aufbau kritisiert iFixit auch Apples Umgang mit Ersatzteilen und Reparaturanleitungen.
Nach Einschätzung der Reparaturspezialisten verstößt Apple bei der Apple Watch gegen sogenannte Right-to-Repair-Gesetze in zehn US-Bundesstaaten. Dazu gehören unter anderem Kalifornien, Oregon, Washington und New York.
Der Vorwurf: Apple bietet zwar eigene Serviceleistungen für seine Smartwatches an, stellt unabhängigen Werkstätten und Privatpersonen jedoch keine entsprechenden Apple-Watch-Ersatzteile, speziellen Werkzeuge oder Reparaturanleitungen über das Self-Service-Reparaturprogramm bereit.
iFixit argumentiert, dass die geltenden Vorschriften in den betroffenen Bundesstaaten einen solchen Zugang verlangen könnten. Ob tatsächlich ein Rechtsverstoß vorliegt, ist damit allerdings nicht abschließend geklärt. Die Gesetze unterscheiden sich hinsichtlich ihres Anwendungsbereichs und möglicher Ausnahmen.
Die Organisation will deshalb Belege sammeln, um die zuständigen Generalstaatsanwälte auf das Problem aufmerksam zu machen.
Für Apple entsteht dadurch zusätzlicher Druck. Während das Unternehmen bei einigen iPhone-Modellen den Zugang zu Komponenten vereinfacht hat, bleibt die Apple Watch bei Reparaturen deutlich eingeschränkter.

Besonders deutlich wird der Rückstand beim Vergleich mit der Pixel Watch 5. Google zeigt, dass auch kompakte Smartwatches mit umfangreichen Gesundheitsfunktionen deutlich reparaturfreundlicher aufgebaut sein können.
Hinzu kommt die eingeschränkte Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Gerade bei Geräten, deren Akkus mit der Zeit an Kapazität verlieren, ist das ein relevanter Nachteil. Apples Fortschritte bei der Reparierbarkeit anderer Produkte machen zudem deutlich, dass bei der Apple Watch noch Verbesserungsbedarf besteht.








